Karpfenteichwirtschaft zwischen Wassermangel, Prädatorendruck und dem Erhalt einer wertvollen Kulturlandschaft
Am 6. August 2026 fand im Landkreis Forchheim, Bayern das traditionelle Haider Teichgespräch statt. Seit vielen Jahren bringt dieses Format Teichwirte mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung, Fachbehörden und Verbänden unmittelbar an den Teichen zusammen.
Ein fester Bestandteil der Haider Teichgespräche ist dabei die gemeinsame Begutachtung der Teiche und Fischbestände. Probefänge geben Aufschluss über die Entwicklung der Karpfen und machen gleichzeitig sichtbar, unter welchen Bedingungen die Teichwirte im jeweiligen Jahr wirtschaften müssen. Im anschließenden Austausch werden aktuelle fachliche, politische und wirtschaftliche Fragestellungen diskutiert und Lösungsansätze zwischen Praxis, Verwaltung und Politik erörtert.
Gerade in diesem Jahr zeigte sich ausdrücklich, wie wichtig ein solches Format ist, welches die Fischereifachberatung des Bezirk Oberfranken initiiert. Die Karpfenteichwirtschaft steht vor erheblichen Herausforderungen – und die Folgen der anhaltenden Trockenheit sind an den Teichen unmittelbar sichtbar.
Der Einladung folgten zahlreiche Teichwirte, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Fachbehörden, darunter Bezirksdirektor Herr Peter Meyer vom Bezirk Oberfranken, die stellvertretende Landrätin Frau Rosi Kraus, der Hallerndorfer Bürgermeister Herr Gerhard Bauer sowie Vertreter der Regierung von Oberfranken und ansässige Fischereiverbände und -vereine.
Präsidentin Isabell Schwegel vertrat den Verband der Deutschen Binnenfischerei und Aquakultur e. V. vor Ort! YFM-Spartenleiterin Anna Klupp und YoungFishermen Fabian Holtze begleiten sie.
Es fehlen mehr als die Hälfte der Stauhöhe!
Im Mittelpunkt der Gespräche stand die derzeit äußerst angespannte Wassersituation. An einigen Teichen fehlen gegenüber dem üblichen Wasserstand mehr als 100 Zentimeter. Besonders problematisch ist dies bei den sogenannten Himmelsteichen, deren Wasserversorgung wesentlich von Niederschlägen abhängig ist und bei denen fehlendes Wasser nicht ohne Weiteres ausgeglichen werden kann. Die wertvolle Anlegung der Kulturlandschaft im Aischgrund in der Aneinanderreihung der Teiche im Kettenprinzip verlangt den starken Zusammenhalt der Teichwirte vor Ort ab, welcher in den Gesprächen deutlich sichtbar wurde!
Mit sinkendem Wasserstand reduziert sich der für die Fische verfügbare Lebensraum und der Druck durch Prädatoren wie den Graureiher nehmen auf nicht vertretbare Weise zu! Die daraus resultierenden Verluste und Verletzungen unmittelbar vor den Abfischungen fallen gravierend aus! Die Genehmigung der Verkürzung der Schonzeit des Graureihers ist die Möglichkeit wie die Untere Naturschutzbehörde in den ortsansässigen Landratsämtern den Schutz des Tierbestandes unter der Wasseroberfläche ermöglichen!
Ein weiterer Schritt ist eine Reduzierung des Schutzstatus für den Silberreiher, von dieser wir uns jedoch nicht einmal wagen zu träumen. Der Schutz der Lebewesen unter der Wasseroberfläche darf nicht geringer als deren an Land und in der Luft ausfallen!
Der Prädatorendruck ist inzwischen so angespannt, dass einige Teichwirte bereits vor ersten Notabfischungen stehen. Damit geht es nicht mehr allein um erschwerte Produktionsbedingungen, sondern zunehmend um die Frage, ob und wie die diesjährige Produktion überhaupt bis zur regulären Abfischung erhalten werden kann.
Ausbreitung des Bibers
Neben Wassermangel und Prädationsdruck wurde auch die stark angewachsene Biberpopulation thematisiert. Der Biber ist Teil unserer heimischen Fauna. Gleichzeitig zeigt sich in intensiv durch Teiche, Gräben und wasserwirtschaftliche Strukturen geprägten Kulturlandschaften zunehmend, dass die hohe Zahl an Individuen zu erheblichen Konflikten innerhalb des Bestandes führt.
Dabei muss die Frage gestellt werden; wie viele geeignete Reviere für geschützte Arten tatsächlich zur Verfügung stehen?
Bei einer entsprechend hohen Populationsdichte steigt der Konkurrenzdruck innerhalb der Art, während geeignete freie Reviere fehlen.
Die Folgen sind für die Teichwirte, die tagtäglich im Einklang mit der Natur arbeiten längst sichtbar. Verendete Biber, viele Kilometer entfernt von Gewässern, Verbauung von wasserwirtschaftlichen Einrichtungen und Kämpfe um Reviere die ein Biber nicht führen müsste, wenn der Mensch rechtzeitig erlegte Schutzstatus aufheben würde. Die Balance in der Natur ist der Schlüssel für das Wohlbefinden aller.
Karpfenproduktion und Ökosystemleistungen gehören zusammen
Die aktuellen Probleme machen gleichzeitig deutlich, welchen Stellenwert die Karpfenteichwirtschaft für die Region besitzt. Dabei muss eines klar sein: Die Produktion von Karpfen und anderen heimischen Fischen ist und bleibt die wirtschaftliche Grundlage der Teichwirte.
Die Teiche sind Produktionsflächen. Sie ermöglichen die Erzeugung eines hochwertigen, regionalen Lebensmittels und sichern Einkommen und Betriebe im ländlichen Raum. Ohne eine wirtschaftlich tragfähige Fischproduktion wird mittel- bis langfristig die Pflege und Bewirtschaftung der Teichlandschaften nicht möglich sein.
Die umfangreichen Ökosystemleistungen, welche Teichwirte für die Gesellschaft liefern, halten Wasser in der Landschaft, können Niederschlagsspitzen puffern und zeitweise zurückhalten. Sie schaffen wertvolle Lebensräume und tragen zur Biodiversität sowie zum Erhalt einer über Jahrhunderte entstandenen Kulturlandschaft bei.
Gerade angesichts zunehmender Hitze- und Trockenperioden, aber auch häufiger auftretender Starkregenereignisse, bekommt diese Funktion eine neue Bedeutung. Teichlandschaften wie im Aischgrund können ein wichtiger Baustein sein, um Wasser in der Fläche zu halten und Abflussspitzen bei Starkregen abzumildern.
Die gesellschaftlichen Leistungen der Teichwirtschaft dürfen deshalb nicht losgelöst von ihrer wirtschaftlichen Grundlage betrachtet werden: Nur bewirtschaftete Teiche können dauerhaft diese Funktionen erfüllen. Hierfür brauchen die Teichwirte eine Perspektive für ihre Produktion.
Dialog muss auch dort stattfinden, wo Positionen auseinandergehen
Bedauerlich war vor diesem Hintergrund, dass der Bund Naturschutz der Einladung zum Haider Teichgespräch nicht gefolgt ist. Gerade die Diskussion über den Wert bewirtschafteter Teichlandschaften für Artenvielfalt, Wasserhaushalt und Naturschutz sowie über bestehende Konflikte hätte von einem direkten Austausch mit Naturschutzverbänden und -verwaltung profitiert. Umso wichtiger ist es, miteinander ins Gespräch zu kommen und die tatsächlichen Bedingungen direkt vor Ort zu betrachten.
Erste Präsenzveranstaltung seit den Weichenstellungen des VDBA
Die erste Präsenzveranstaltung, nachdem die geplante Küstentour mit Bundesminister Alois Rainer in Travemünde kurzfristig abgesagt worden war, führte Isabell Schwegel unmittelbar zu ihren Wurzeln zurück. Im Landkreis Forchheim mit der Karpfenteichwirtschaft aufgewachsen erkenne ich besonders den dringenden Handlungsbedarf der notwendig ist!
„Wir erleben gerade unmittelbar, was Hitze und Wassermangel für unsere Teichwirtschaft bedeuten. Wenn Teichen mehr als ein Meter Wasser fehlt und erste Betriebe vor Notabfischungen stehen, dürfen wir nicht mehr nur über zukünftige Herausforderungen sprechen. Gleichzeitig zeigen uns gerade Kulturlandschaften wie der Aischgrund, welches Potenzial die Teichwirtschaft besitzt. Sie produziert einst der ressourcensparendsten Lebensmittel, hält Wasser in der Landschaft, schafft Lebensräume und kann dazu beitragen, die Folgen von Starkregen und Hochwasser abzumildern. Wer diese Leistungen auch künftig erhalten und ausbauen möchte, muss den Teichwirten ermöglichen, wirtschaftlich zu produzieren. Dafür brauchen wir jetzt tragfähige Lösungen.“
Die Haider Teichgespräche haben erneut gezeigt, wie wertvoll der direkte Austausch zwischen Teichwirtschaft, Politik, Verwaltung und Fachbehörden ist. Probleme werden dort sichtbar, wo sie entstehen – und genau dort müssen auch Lösungsansätze entwickelt werden.
Der Dank des VDBA gilt den Organisatoren, den beteiligten Teichwirten und allen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung und Fachbehörden, die der Einladung gefolgt sind und sich der Diskussion vor Ort gestellt haben. Die Karpfenteichwirtschaft braucht gerade jetzt einen starken Rückhalt! Mit jedem wirtschaftlich aufgegebenen Teich verlieren wir nicht nur Produktionsfläche für ein regionales Lebensmittel – wir riskieren zugleich den Verlust einer über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft und ihrer vielfältigen Leistungen für unsere Gesellschaft. Isabell Schwegel, Präsidentin des VDBA