Mitgliederinformation des VDBA zur erwarteten Klimakrise durch ein El‑Niño‑Ereignis mit »Super‑Ausmaßen«
Der Verband der Deutschen Binnenfischerei und Aquakultur (VDBA) blickt mit großer Sorge auf die aktuellen Warnungen internationaler Organisationen, die ein El‑Niño‑Ereignis mit außergewöhnlicher Intensität prognostizieren.
Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) warnt vor einem außergewöhnlich starken El‑Niño‑Ereignis, das das Risiko für Extremwetter bis ins Jahr 2027 erhöht.
Ein solches „Super‑El‑Niño“ hätte erhebliche Auswirkungen auf das globale und europäische Klima – insbesondere durch extreme Trockenheit, langanhaltende Hitzeperioden und hydrologische Extremzustände. Die deutsche Binnenfischerei & Aquakultur muss sich auf zusätzliche Belastungen und ggf. gravierende Folgen einstellen.
1. Zunehmende Wasserknappheit gefährdet Produktion und Tierwohl
Bereits die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie empfindlich die Betriebe auf ausbleibende Niederschläge reagieren. Ein Super‑El‑Niño könnte diese Entwicklung massiv verschärfen:
Sinkende Wasserstände in Flüssen und Seen beeinträchtigen die Bewirtschaftung, den Fischbesatz (Tierwohl) und die ökologische Stabilität.
Teichwirtschaften geraten unter Druck, da Zuflüsse versiegen und Wasserverluste nicht mehr ausgeglichen werden können.
Erhöhte Wassertemperaturen führen zu Sauerstoffmangel, Stressreaktionen und erhöhtem Krankheitsdruck bei Fischen.
Viele Betriebe stehen bereits heute an der Belastungsgrenze. Ein extremes El‑Niño‑Jahr könnte die Situation weiter zuspitzen und auch zu Totalausfällen führen.
2. Steigende Risiken für Fischsterben und Produktionsausfälle
Hitze und Trockenheit wirken unmittelbar auf die Produktionsbedingungen:
Sauerstoffeinbrüche in stehenden Gewässern können innerhalb weniger Stunden zu massiven Fischverlusten führen.
Algenblüten und Schadstoffkonzentrationen nehmen bei niedrigen Wasserständen zu.
Transport und Vermarktung werden erschwert, wenn Fische nicht mehr unter stabilen Bedingungen gehalten werden können.
Betriebe müssen kurzfristig reagieren können, um Tierverluste zu vermeiden. Die wirtschaftlichen Schäden wären erheblich – besonders für familiengeführte Betriebe, die keine finanziellen Reserven für klimabedingte Ausfälle haben.
3. Ökologische Folgen für aquatische Lebensräume
Die Binnenfischerei trägt wesentlich zu Erhalt, Stabilisierung und Pflege von Gewässerökosystemen bei. Extreme Trockenheit gefährdet diese Leistungen:
Austrocknung kleiner Gewässer und Teiche beschleunigt deren Verlandungsprozesse
Artenreiche Kulturlandschaften – Hotspots der Biodiversität – die durch jahrhundertelange Nutzung entstanden sind, drohen verloren zu gehen.
Wanderfischarten und Amphibien leiden unter unterbrochenen Wasserwegen und ausgetrockneten Laichhabitaten.
Ein Super‑El‑Niño würde bestehende ökologische Probleme verstärken die Bewirtschaftung erschweren und ökologische Leistungen unter Druck geraten lassen. Dies würde die Ziele des Natur- und Artenschutzes gefährden.
4. Steigende Futtermittelpreise durch Ernteausfälle
Ein extremes El‑Niño‑Jahr kann weltweit zu massiven Ernteausfällen führen – insbesondere bei Mais, Weizen, Soja und anderen Grundrohstoffen der Futtermittelindustrie.
Konsequenzen für Fischerei und Aquakultur:
Deutliche Preissteigerungen bei Fischfutter und Ergänzungsfuttermitteln
Unsichere Verfügbarkeit bestimmter Futtersorten
Höhere Produktionskosten, die viele Betriebe wirtschaftlich stark belasten
Planungsunsicherheit für Besatz- und Produktionszyklen
Damit verschärft El Niño nicht nur die ökologischen, sondern auch die ökonomischen Risiken für die Branche.
Der VDBA hat diesen Aspekt bereits mit großer Sorge beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, sowie auf europäischer Ebene beim Verband der europäischen Aquakulturproduzenten (FEAP) in Diskussion gebracht.
5. Gefahr von Hochwasserereignissen durch extreme Niederschlagsmuster
Während ein Super‑El Niño in Mitteleuropa überwiegend mit Trockenheit und Hitze in Verbindung gebracht wird, können die globalen atmosphärischen Verschiebungen zugleich Phasen intensiver Starkregenereignisse auslösen. Diese hydrologischen Extreme bergen für Binnenfischerei und Aquakultur erhebliche Risiken:
Plötzliche Hochwasser können Teichanlagen überfluten, Dämme beschädigen und Fischbestände ausschwemmen.
Eintrag von Sedimenten, Nährstoffen und Schadstoffen belastet Produktionsgewässer und führt zu akuten Qualitätsproblemen.
Starkregenereignisse destabilisieren Gewässerstrukturen, verändern Strömungsregime und beeinträchtigen Laich- und Rückzugsräume.
In Fließgewässern steigt das Risiko, dass Besatzmaßnahmen zunichtegemacht werden, wenn Jungfische durch Hochwasser verdriftet oder Lebensräume zerstört werden.
Für viele Betriebe bedeutet dies eine doppelte Belastung: Trockenheit und Wasserknappheit auf der einen Seite – zerstörerische Hochwasser auf der anderen. Die zunehmende Unberechenbarkeit hydrologischer Extreme erschwert Planung, Bewirtschaftung und Investitionsentscheidungen erheblich.
Fazit: Betriebe müssen sich vorbereiten – Politik muss unterstützen
Die deutsche Binnenfischerei und Aquakultur muss sich auf weitere extreme Wetterereignisse einstellen. Dazu gehören:
Anpassung der Bewirtschaftungsstrategien
Investitionen in Wasserhaltung, Beschattung und Sauerstofftechnik
Entwicklung klimaresilienter Produktionskonzepte
Doch diese Maßnahmen sind kostenintensiv und für viele Betriebe allein nicht zu stemmen.
Der VDBA fordert daher:
Gezielte Förderprogramme für klimaangepasste Infrastruktur
Schnelle und unbürokratische Hilfen bei klimabedingten Produktionsausfällen
Einbindung der Betriebe in nationale Klimaanpassungsstrategien
Verlässliche Rahmenbedingungen, die die Bewirtschaftung und Pflege von Gewässern sichern
Ein El‑Niño‑Ereignis mit „Super‑Ausmaßen“ wäre eine ernste Bedrohung für die deutsche Binnenfischerei und Aquakultur. Die Branche ist bereit, sich anzupassen – doch sie braucht politische Unterstützung, Planungssicherheit und Anerkennung ihrer Rolle als unverzichtbarer Partner für Ernährungssicherheit, Gewässerökologie und regionale Wertschöpfung.